Eigentlich
eigenartig, wie dieser Psalm beginnt. Der Psalmbetende spricht mit
sich selber. Es ist ein Selbstgespräch mit einer Aufforderung an
sich selber. Lobe Gott, meine Seele! Mit der Seele bezeichnet die
Bibel weniger etwas Unsterbliches, sie meint damit den Sitz des
Lebens, alle Emotionen, alle Gefühle in uns. In der Seele wohnt
alle Freude und Lebenslust, aber auch aller Zweifel und Klage. Da ist
es gut, wenn wir mit unserer Seele reden, und ihr zeigen, dass wir
sie wahrnehmen. "Fang an, Gott zu loben", sagt der
Psalmbetende zu seiner Seele, denn loben heißt Atem holen, die
Blickrichtung ändern, nach dem Guten suchen und es aussprechen.
Das hebräische Wort, das in unserer Übersetzung mit „Lobe
Gott“ übersetzt ist, bedeutet eigentlich „Segne Gott,
meine Seele!“ Segnen ist mehr als loben. Segnen, da bin ich
selber noch viel stärker beteiligt. Gott segnen, weil es aus der
Tiefe unserer Seele kommt. Gott segnen, nicht weil wir es müssen,
nein, weil es uns selber gut tut und wir dadurch Gott anders in den
Blick nehmen. Gott segnen, weil wir es nötig haben und Gott sich
freut.
Im Loben und Segnen entdeckt der Psalmbetende vieles über
Gott. Er entdeckt, wie Gott uns begegnet und uns beschenkt. Es ist
kein Schauen mit rosaroter Brille. Seine Gotteserfahrung zeigt sich
gerade auch in Not und Leid. Im Loben und Segnen erinnert sich der
Psalmbetende an Gottes Liebe und Zuwendung.
Und was hat der Psalmbetende alles entdeckt und erinnert!
Gott tut Gutes
Gott vergibt (unsere Sünden, unsere Schuld)
Gott heilt alle deine Gebrechen, deine Krankheit
Gott schafft Gerechtigkeit
Gott ist gnädig
Gott ist barmherzig
Gott ist geduldig
Gott macht fröhlich
Gott ist von großer Güte
Ein ganzer Strauß ist entstanden, ein Strauß der Liebe und Zuwendung Gottes für uns. Ein bunter Strauß ist erblüht, ein Strauß der Erfahrungen des Psalmbetenden mit seinem Gott in allen Situationen seines Lebens.
Erinnere dich, meine Seele, und lobe und segne Gott.
Entdecke, meine Seele, und lobe und segne Gott.
Im Januar 2012, Doris Hege