Lobe Gott, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe Gott, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103 1.2.)

Eigentlich eigenartig, wie dieser Psalm beginnt. Der Psalmbetende spricht mit sich selber. Es ist ein Selbstgespräch mit einer Aufforderung an sich selber. Lobe Gott, meine Seele! Mit der Seele bezeichnet die Bibel weniger etwas Unsterbliches, sie meint damit den Sitz des Lebens, alle Emotionen, alle Gefühle in uns. In der Seele wohnt alle Freude und Lebenslust, aber auch aller Zweifel und Klage. Da ist es gut, wenn wir mit unserer Seele reden, und ihr zeigen, dass wir sie wahrnehmen. "Fang an, Gott zu loben", sagt der Psalmbetende zu seiner Seele, denn loben heißt Atem holen, die Blickrichtung ändern, nach dem Guten suchen und es aussprechen. Das hebräische Wort, das in unserer Übersetzung mit „Lobe Gott“ übersetzt ist, bedeutet eigentlich „Segne Gott, meine Seele!“ Segnen ist mehr als loben. Segnen, da bin ich selber noch viel stärker beteiligt. Gott segnen, weil es aus der Tiefe unserer Seele kommt. Gott segnen, nicht weil wir es müssen, nein, weil es uns selber gut tut und wir dadurch Gott anders in den Blick nehmen. Gott segnen, weil wir es nötig haben und Gott sich freut.
Im Loben und Segnen entdeckt der Psalmbetende vieles über Gott. Er entdeckt, wie Gott uns begegnet und uns beschenkt. Es ist kein Schauen mit rosaroter Brille. Seine Gotteserfahrung zeigt sich gerade auch in Not und Leid. Im Loben und Segnen erinnert sich der Psalmbetende an Gottes Liebe und Zuwendung.

Und was hat der Psalmbetende alles entdeckt und erinnert!

Gott tut Gutes
Gott vergibt (unsere Sünden, unsere Schuld)
Gott heilt alle deine Gebrechen, deine Krankheit
Gott schafft Gerechtigkeit
Gott ist gnädig
Gott ist barmherzig
Gott ist geduldig
Gott macht fröhlich
Gott ist von großer Güte

Ein ganzer Strauß ist entstanden, ein Strauß der Liebe und Zuwendung Gottes für uns. Ein bunter Strauß ist erblüht, ein Strauß der Erfahrungen des Psalmbetenden mit seinem Gott in allen Situationen seines Lebens.

Erinnere dich, meine Seele, und lobe und segne Gott.
Entdecke, meine Seele, und lobe und segne Gott.

Im Januar 2012, Doris Hege