Als Gemeinde gehen wir auf vielen Wegen in eine Richtung. Die Wanderung auf den Spuren des Bonifatius folgt einem dieser Wege.
Bonifatius lebte als wichtiger Missionar und rühriger Erzbischof im frühen Mittelalter. 754 ermordeten ihn Räuber bei einem Überfall. Sein Leichnam wurde mit dem Schiff nach Mainz und von dort auf dem Landweg nach Fulda zur Begräbnisstätte überführt. Viele Menschen aus allen Bevölkerungsschichten nahmen daran teil.1250 Jahre später, im Jahr 2004, wurde eine Pilgerroute eröffnet, die den wenigen überlieferten Spuren folgt. Sie sind auch für Frankfurt nachzuweisen.
Also ist es wirklich naheliegend, die Schuhe zu schnüren, um bei einer langen Wanderung über 175 Kilometer in 13 Etappen nicht nur die Geschichte unserer Heimat kennen zu lernen. Viele aus unserer Gemeinde leben in der Nähe der Pilgerroute. Bonifatius ist vertraut; Kirchen, Feldstücke oder Wegkreuze sind nach ihm benannt.
Wir haben uns auf den Weg gemacht, um in der Begegnung mit der "großen" Geschichte viele kleine Geschichten zu erleben. Wir finden die Wegmarken des Bonifatius und seines Wirkens. Wir besuchen unterwegs viele Kirchen, die uns die wechselnde Frömmigkeit der Menschen durch die Jahrhunderte zeigen. Wir wandern bei Hitze und Regen und tauchen ein in den sanften Zauber der Natur, der auch im Ballungsraum Rhein-Main noch zu finden ist.
Im Wandern spüren wir unseren Gedanken nach und in vielen gemeinsamen Gesprächen lernen wir die Geschwister kennen, mit denen wir sonntags den Gottesdienst feiern. Viele aus der Gemeinde und Freunde wandern mit auf den einzelnen Wegabschnitten, jedes Mal ist es eine andere Gruppe. Unser Alltag verwebt sich ganz neu mit unserer Gemeinschaft und unseren unterschiedlichen Erfahrungen.
Gestartet sind wir im Mai 2007 im Dom von Mainz, verabschiedet von alten und modernen Statuen des Bonifatius. Wir sind durch die Weinberge bei Hochheim und die Obstgärten von Kriftel gelaufen. Im Eschborner Stadtmuseum haben wir ein altes Bonifatiuskreuz gesehen und in Frankfurt-Kalbach den Bonifatiusbrunnen, wo der Leichenzug übernachtete und als "Zeichen eine Quelle entsprang". Wir haben an den Türen verschiedener Dorfkirchen gerüttelt und wenn sie geöffnet waren, haben wir ihre stille Pracht bewundert und mit mehrstimmigem Gesang ihre Akustik getestet. Wie ganz anders ist das in dem kleinen bescheidenen Raum unserer Mennonitengemeinde.
Wir haben das flache Rhein-Main-Gebiet verlassen, in der Wetterau den römischen Limes überquert und die Höhen des Vogelsberges erklommen. Von dort wanderten wir bergab zur Bischofsstadt Fulda, wo in der Gruft des Domes die Gebeine des "Apostels der Deutschen" ruhen und seine Reliquien zu finden sind.
Zu Fuß legten wir 175 Kilometer durch die Natur zurück. In unserem Kopf pilgerten wir durch Geschichte, Kultur und die Bilder unseres Glaubens. In vielen guten Gesprächen und im ruhigen Wandern begegneten wir dabei uns selbst.